Odessa-Projekt live – Tschernobyl-Konzert in Bochum
Nicht ganz so knackvoll wie beim letzten Auftritt des Odessa-Projektes war es im Kulturrat Lothringen, aber dafür war die Stimmung hervorragend und die vier Musiker aus dem Bergischen lieferten mitreißende Musik ab. Die erste Veranstaltung von "1000 Stimmen" war ein voller Erfolg.
Das Odessa-Projekt ist im Kulturrat Lothringen inzwischen Stammgast und begeistert regelmäßig mit seinen "Wild Sounds" aus Bulgarien, Transsylvanien und von den jüdischen Russen das Publikum. Als Lilo Wortelmann die Musiker fragte, ob sie nicht Lust hätten, ein Benefizkonzert für die Tschernobylopfer zu geben, sagten sie sofort zu. So bildete das Konzert in Bochum den Auftakt der diesjährigen Konzertreihe "1000 Stimmen gegen das Verdrängen". Zwischen den Wortbeiträgen gab das Odessa-Projekt in einer Quartettbesetzung alles: mal feurig, mal verführend, mal melancholisch, mal zart, mal deftig – aber immer mit ganzem Herzen.
Licht! Licht!
Zusammen mit dem jüngsten Gast des Abends, Pia, zündete Lilo Wortelmann zu Beginn eine Kerze an – ein Licht für die Verstorbenen der Tschernobyl-Katastrophe, und für die Überlebenden, die unter den Nachwirkungen heute noch leiden. Lilo und Rüdiger Wortelmann gehören zu den Aktiven aus Bochum, die von Beginn an die Bauprojekte von Heim-statt Tschernobyl e.V. tatkräftig unterstützen.
Und so stand der Abend auch ganz im Zeichen der Bochumer Aktivitäten, um die Auswirkungen von Tschernobyl in Weißrussland zu mildern – und konsequent für einen Ausstieg aus der Atompolitik.
"Es ist eben doch mehr möglich, als man meint"
Lilo Wortelmann, die den Abend moderierte, hatte ihre Protestpappen mitgebracht, mit denen sie schon vor 30 Jahren vor dem Bochumer Kaufhaus Kortum gegen das THTR in Hamm-Uentrop demonstrierte: "Da sieht man mal, was möglich ist: Das THTR ist inzwischen abgeschaltet." Dabei bleiben, nicht nachlassen, für die Wortelmanns ist das selbstverständlich. Und so formulierte Lilo einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Dr. Röttgen, in dem sie fordert, die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht zu verlängern. Praktisch alle Gäste des Abends unterschrieben diesen Brief.
"Wie ich mich von meinem Haus verabschiedete"
Im Zentrum des Abends stand die Erinnerung an das Reaktorunglück vor 25 Jahren. Texte von Politikern, Wissenschaftlern, aber vor allem auch persöniche Berichte von Deutschen und Weißrussen ließen die Dimension der Katastrophe erahnen. Noch wichtiger aber war den Wortelmanns die Darstellung der konkreten Arbeit von Heim-statt Tschernobyl e.V. und so zeigten sie einen Film über alle Aktivitäten des Vereins in Weißrussland – unterhaltsam und durchaus spannend, was die Konstruktion eines Ökohauses angeht. Zum Schluss wurden in Lilos Baustellenhut Spenden (statt Eintritt) für weitere Bauprojekte gesammelt.
Ein besonderer Dank ging an die Bochumer Bürgermeisterin Astrid Platzmann-Scholten (Grüne), die die Veranstaltung privat besucht hatte und an die Stadt Bochum, die Benefizaktionen für Tschernobyl trotz knapper Kassen immer noch unterstützt.
Beate Schwedler





